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APS: Wirklich eine fortschrittliche Technik?


In den Regalen der Fotohändler sieht man sie in größerer Zahl, oft niedlich klein, mit dem typischen APS-Logo irgendwo auf dem Gehäuse:  Kameras mit dem Advanced Photo System.   Nach meinem Eindruck werden sie auch gerne empfohlen.  Die Frage ist: Zu recht?

Einige Aspekte, die man betrachten sollte:

Der Kostenfaktor

ist ein nicht zu unterschätzendes Argument.  Denn mit dem Erwerb der Kamera allein ist es ja nicht getan.  Was sich hinterher insbesondere bemerkbar macht, ist die Anschaffung von Filmen, die Entwicklung, die Erstellung von Abzügen.  Und da sind sie mit APS leider in der Regel  etwas teurer bedient.  (Was vielleicht eine Erklärung dafür ist, warum APS so bereitwillig empfohlen wird?)
Dann stimmt aber wenigstens die


Qualität?

Auch das kann man leider nicht uneingeschränkt sagen.  Das Advanced Photo System spart nämlich an einer kritischen Stelle, an der Größe des Negativs.  Es liegt auf der Hand, daß bei einem kleineren Negativ auch nur weniger Bildinformationen untergebracht werden können.  Bei kleinen "Urlaubsbildern" fällt das vielleicht noch nicht so schwer ins Gewicht.  Bemerkbar - und das schmerzlich - macht sich der Verlust aber spätestens dann, wenn man größere Abzüge haben möchte.  Besonders kritisch sind da einige der sogenannten "wählbaren Filmformate".  Mit Kleinbild liegt man da auf der besseren Seite.  Bei kritischen Anforderungen wird sogar zu noch größeren Negativformaten gegriffen.  Negativfläche läßt sich durch nichts anderes ersetzen.


Drei wählbare Filmformate...

Kann man bei APS-Kameras über einen kleinen Drehschalter einstellen, und tatsächlich ändert sich im Sucher auch der angezeigte Ausschnitt.  Was man dabei wissen muß:  Die Größe des Negatives bleibt natürlich identisch.  Es wird lediglich ein Teil des Negativs abgedeckt.  De facto erzeugt man also lediglich eine Ausschnittvergrößerung.  Hat man ein  längliches Bildformat gewählt, bei dem schon für "kleine" Abzüge vergrößert werden muß, und rechnet man zusätzlich die kleine Negativgröße ein, kann man sich vorstellen, was etwa bei einem großen Abzug von einem "Panorama"-Bild herauskommt...

Ein Vorteil gegenüber dem Kleinbild-Format?
Wenn man den Spezialeffekt eines besonderen Bildformates tatsächlich mal braucht, kann man das bei einer Kleinbildkamera (so heißen die gängigen Kameras mit Negativen im Format 24x36mm) ohne weiteres auch erzeugen, indem man eine Vergrößerung erstellt und sie selbst zurechtschneidet.

 
...und wenig Auswahl bei Filmen
Für Sonne und Strand findet man sicher auch bei APS hinreichende Filme.  Ansonsten wird die Ausstattung schnell sehr kärglich.  Es fehlen hochempfindliche Filme für schlechte Lichtverhältnisse, es fehlen Schwarzweißfilme.  Es gibt gerüchteweise einen(!) Diafilm, der aber wohl mehr als Pilotprojekt anzusehen ist.


Das kinderleichte Einlegen von Filmen

ist nicht allein APS vorbehalten.  Vielleicht ist APS da noch eine Spur kinderleichter, aber wenn Sie das Einlegen von Filmen als mühselige Fummelarbeit in Erinnerung haben - diese Zeiten gehören der Vergangenheit an.  Bei einer typischen Kleinbildkamera legen sie die Filmpatrone ein, ziehen den Film einige Zentimeter heraus, klappen den Decken zu, und fertig.  Den Rest erledigt die Kamera.


Die Aufbewahrung der Filme

geschieht bei APS in der Filmdose.  Das erscheint auf den ersten Blick sehr sicher, immerhin ist er von einem stabilen Gehäuse umschlossen.  Die Frage ist aber, ob es einem Film so gut tut, wenn er lange Zeit in einem gerollten Zustand aufbewahrt wird.  Weiterhin ist es ein überdenkenswertes Argument, welchen Gefahren der Film ausgesetzt wird, wenn er für jeden zusätzlichen Abzug aus der Dose und wieder hineingerollt wird.  Ein einziges Körnchen Dreck kann gleich mehrere Negative durch wunderbare, langgezogene Kratzer ruinieren.


Filmwechsel

ist bei APS auch bei halbvollen Filmen möglich.   Jedenfalls im Prinzip.    Tatsächlich beherrscht nur ein gewisser Teil der APS-Modelle den sogenannten MRC (Mid-Roll Change).  Eines der wenigen Dinge, die APS den Kleinbildkameras prinzipiell voraushat.  Andererseits braucht man dieses Feature wohl auch nicht ständig.

Bei Kleinbildkameras, die den Film zurückspulen und dabei die "Zunge" draußenlassen können, läßt sich dasselbe erreichen: Film zurückspulen und beim neuerlichen Einlegen mit zugehaltenem Objektiv die belichtete Anzahl Bilder "durchknipsen". Gelegenheitsfotografierer und Einsteiger werden wohl selten ständig den Film wechseln wollen.  Bei engagierten Fotografen oder gar Profis hält ein Film nicht sehr lange, sie können auf ein paar Bilder Negativmaterial am Schluß auch verzichten (was sie bei den ansonsten höheren Kosten von APS längst eingespart haben) oder haben gar mehrere Gehäuse.


Die Datenaufzeichnung

soll bei APS angeblich eine bessere Entwicklung der Filme ermöglichen.  Das nützt allerdings nichts, wenn die Entwicklungsmaschine einfach alle Filme durchnudelt und sich um irgendwelche Daten überhaupt nicht schert.  Ob es etwas nützt, wenn sie sich drum schert, ist dann noch mal eine andere Frage...

Fazit



Das APS-System kann technisch nicht überzeugen.  Es zielt auf den Markt der Knipser, die wenig Fachkenntnisse besitzen: Wo Tante Erna im Urlaub abgelichtet werden soll und es auf Bildqualität nicht übertrieben ankommt.

De facto nimmt der APS-Käufer Nachteile in punkto Qualität, Kosten, fotografischen Möglichkeiten in Kauf. Die angepriesenen Vorteile sind hingegen eher fadenscheinig und teils auch mit Kleinbildkameras ohne weiteres zu realisieren.  Letztere haben in Bezug auf das Spektrum an angebotenen Apparaten für jeden Anspruch und an Filmen mit Abstand die Nase vorn.
 
 

(C) 1998 Frank Bechhaus